Born for Life

Im November 2018 haben wir Anna Seemann kennen gelernt. Sie ist Physiotherapeutin im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift https://www.kkh-wilhelmstift.de und ihre Arbeit konzentriert sich dort auf die Unterstützung und Förderung von Frühgeborenen. Aus ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer täglichen Arbeit heraus, hat sie ein innovatives, neues Produkt entwickelt: Das Nestchen für Frühgeborene. Es ist sehr vereinfacht gesagt eine stressreduzierende und entwicklungsfördernde Lagerungshilfe für Frühgeborene im klinischen Einsatz.
 
Im Juni werden Lars und Anna nun ein Unternehmen gründen, um unter der Marke „Born for Life“ dieses und weitere Produkte zur Marktreife zu bringen.
 
Um Anna näher kennen zu lernen und ihr Produkt vorzustellen, haben wir ein Interview mit ihr geführt. In folgenden Blogbeiträgen werden wir vertiefend berichten.
  
Victoria: Anna, Du hast ein sehr besonderes Produkt entwickelt. Kannst du uns ganz kurz erzählen, was das genau ist?
 
Anna: Das Nestchen ist eine textile Lagerungshilfe für Frühgeborene, die schon im Brutkasten, auf der Intensivstation eingesetzt werden kann. Kinder die zu früh geboren werden, müssen auf wichtige Reize für die Hirnentwicklung verzichten und werden mit stressauslösenden Reizen konfrontiert. Das Nestchen reduziert mit seiner rundherum das Kind begrenzenden Form und der Unterstützung der Beugehaltung, ähnlich wie im Mutterleib, Stress. Gleichzeitig bietet es unter anderem die Möglichkeit, die Grenzen des eigenen Körpers zu spüren, mit Händen und Füßen, ähnlich wie gegen die elastische Begrenzung der Gebärmutterwand einzustemmen und sich durch Saugen an den eigenen Händen selbst zu beruhigen. Durch seine Konstruktion erleichtert es dem Kind und der das Kind versorgenden Person Alltagssituationen, wie z.B. Wickeln, Untersuchen, aus dem Brutkasten herausnehmen und Lagern.
 
Victoria: Kannst du ein paar Worte zu Deiner Arbeit im Krankenhaus sagen?
 
Anna: Ich arbeite inzwischen seit 13 Jahren im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift hier in Hamburg. Wir haben ein super Physioteam und die Arbeit mit den Kindern bringt mir viel Spaß und stellt mich mit den unterschiedlichen Anliegen der Patienten auch immer wieder vor neue spannende Herausforderungen. Wir behandeln stationäre Patienten, haben aber auch eine Ambulanz, in die man, wie in eine Praxis, von außerhalb kommen kann. Ein Teil meiner Arbeit ist die mit den Frühgeborenen. Da geht es zum einen um die Behandlung der Kleinsten, schon im Brutkasten auf der Intensivstation, als auch um die Beobachtung und Beurteilung der Entwicklung, um Schwierigkeiten möglichst früh zu erkennen und Empfehlungen bezügl. der therapeutischen Versorgung auszusprechen, bzw. die eigenen Therapieinhalte stets zu optimieren.
 
Victoria: Anna, wie kam es bei Dir zu dieser Idee, eine Lagerungshilfe für Frühgeborene zu entwickeln und wie lange liegt das zurück?
 
Anna: In der Zeit mit den Frühgeborenen habe ich ein immer feineres Gespür entwickelt. Irgendwann weiß man, was das Kleine gerade braucht, warum es z.B. gerade weint, was ihm hilft sich zu beruhigen oder seine Aufmerksamkeit erregt.
Da wir die Kinder nicht nur stationär behadeln, sondern sie auch im Rahmen der Nachsorge wiedersehen, fiel mir immer mehr auf, dass sich die Schwierigkeiten nicht so sehr in der motorischen Entwicklung zeigen, sondern vielmehr in den Bereichen der Aufmerksamkeit, der Fokussierung, der Interaktion, zusammengefasst des Verhaltens. Viele wirkten fahrig, unkonzentriert und waren schwer für Interaktion zu gewinnen. Gleichzeitig zeigten sie mit 2 Jahren eine reduzierte Frustrationstoleranz, bis hin zu selbstverletzendem Verhalten. Der gemeinsame Nenner schienen Schwierigkeiten der Wahrnehmung des eigenen Körpers zu sein. Ich fragte mich, warum wir diese Auffälligkeiten später zwar in der Therapie behandelten, aber nicht schon von Beginn an die Situation im Inkubator besser gestalteten. Offensichtlich gab es für die Hirnentwicklung wichtigen Reize, die dem Frühgeborenen fehlten. Mit dieser Idee traf ich 2010, auf einer Tagung in Osnabrück, zufällig Herrn Pastorino, Inhaber der Beluga-Tauchsport GmbH. Ich konnte ihn von meiner Idee begeistern und so begannen wir zu entwickeln. 
 
Victoria: Für uns, speziell für Lars, ist die Gründung mit dir zusammen ganz besonders spannend. Wir haben bisher keine Erfahrung mit Medizinprodukten sammeln können, denken aber trotzdem, das gemeinsam daraus etwas sehr Großes werden kann. Wie sind deine Gedanken dazu?
 
Anna: Ich denke auch, dass es sehr spannend, sicherlich nicht immer einfach, aber richtig gut werden kann. Die Zahlen der Frühgeborenen steigt bedauerlicher Weise stetig und gleichzeitig wird unser Wissen bezüglich der Hirnentwicklung, dank begnadeter Hirnforscher, immer größer. So ist es, neben dem Anliegen seitens der Frühgeborenen und deren Familien, auch ein zunehmend gesamtgesellschaftliches Interesse, die Versorgung unserer Kleinsten, auch im Bereich der Hirnentwicklung, zu optimieren. 
 
Victoria: War die Gründung eines Start-ups dein Plan?
 
Anna: Nicht zu Beginn. Ich wollte ein Problem lösen. Erst als das Nestchen fertig war habe ich mich gefragt, wie denn das Nestchen nun ans Kind kommen sollte. Da ich möchte, dass dies geplant und bewusst geschieht und ich noch weitere Ideen zum Nestchen und für andere Produkte habe, habe ich mich dann zunehmend mit der Idee, ein Unternehmen zu gründen, beschäftigt.
 
Victoria: Eine letzte Frage. Was wünschst Du Dir von uns bzw. von Lars als Partner an deiner Seite?
 
Anna: Ich denke, dass wir ein richtig starkes Team sein können. Ich habe weder Erfahrung, noch Wissen, wie man ein Unternehmen gründet und aufbaut und wie man ein Produkt auf den Markt bringt. Deshalb wünsche ich mir speziell für diesen Bereich Kompetenz, Anleitung und Orientierung. Ich wünsche mir in Lars einen Partner an meiner Seite, der meine Vision versteht, teilt und sie mit mir verwirklicht.
 
Vielen Dank, Anna, für das Interview. Wir freuen uns auf eine intensive, gegenseitig bereichernde und erfolgreiche Zusammenarbeit. Vielen Dank auch dafür, dass du uns schon so viel erklärt hast und wir damit so viele Einblicke in diesen für uns neuen Markt bekommen konnten. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg.

Foto Anna: ©Fotoraum Reinhold
Interview: Victoria & Anna