Bad News

Nachdem wir in den letzten Wochen und Monaten viele gute Nachrichten verkünden konnten, bestätigt sich nun leider auch final ein erheblicher Misserfolg.
Eine unserer Start-up-Beteiligungen mussten wir im Februar für gescheitert erklären.
Unsere Erfahrungen des letzten Jahres und unser Resumee daraus möchten wir euch in diesem Blog-Beitrag schildern.
 
Alles begann sehr erfolgsversprechend. Wir stießen auf ein sehr diversifiziertes Gründerteam mit einem guten margenstarken Produkt. Da für das Produkt im amerikanischen Markt bereits großes Interesse vorherrschte, mit genauso erfolgsversprechenden Aussichten auch für den europäischen Markt und mit den Möglichkeiten des Eintritts in den US-Markt, entschieden wir uns für ein Investment.
Wir ermöglichten damit den Einkauf von Waren, die Produktion, die Anmietung von Büro- und Lagerflächen und halfen bei sehr vielen kaufmännischen und organisatorischen Themen. Trotz räumlicher Trennung kamen wir sehr gut in die Zusammenarbeit.
Recht bald nach Start wurde ein Markenrelaunch veranlasst und ein neuer Investor mit aufgenommen. Mit dem Geld des zweiten Investments entschied sich das Team, eine Marketingagentur einzusetzen, um den Online-Verkauf in ein gutes Wachstum zu bringen. Die Umsätze entwickelten sich daraufhin stetig und gut. Schnell war jedoch klar, dass auf dem Niveau nicht weiter in Marketingbudgets investiert werden konnte. Wir als Investoren plädierten zusätzlich für Offline-Aktivitäten, erarbeiteten Vertriebskonzepte und versuchten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Auch regten wir alternative Finanzierungsbausteine an und boten kaufmännische Unterstützung an.
 
Der erste Umsatzeinbruch zeichnete sich dann im Sommer letzten Jahres ab. Wir konnten mit Hilfe der Gründer keine Transparenz darüber erlangen, welche Marketingaktivitäten gut funktionierten und welche nur Geld gekostet hatten. Sollte das Online-Marketing-Potenzial bereits ausgeschöpft sein? Es ergaben sich sehr viele unbeantwortete Fragen.
 
Als wir im Herbst dann noch durch Zufall und unterstützt durch Pressemitteilungen erfuhren, dass einzelne Teammitglieder schon länger an parallelen Projekten arbeiteten, wurden wir skeptischer und wahrscheinlich auch anstrengender. Im Grunde wollten wir lediglich Lösungen schaffen und unser Investment werthaltig halten.
 
Wir bohrten mehr und mehr rein und es entwickelten sich Fronten zwischen Gründern und Investoren. Wir hatten uns in den handelnden Personen getäuscht und wurden u. E. bewusst getäuscht. Diese Situation war natürlich schädlich für die Zusammenarbeit. Es folgten viele Telefonkonferenzen, Abstimmungen unter den Investoren, Vor-Ort-Termine mit ungelösten Ausgängen und viel investierter Zeit ohne Fortschritte.
 
Nach vielen Versuchen zur Wiederherstellung einer funktionierenden Organisation, kam dann die Erkenntnis, es geht nur mit einem neuen motivierten Team. Aber wen kann man fragen, wenn doch schon so viele interne Baustellen auf der Hand liegen. Wir waren trotzdem überrascht, wie viele Möglichkeiten sich auftaten. Unser Produkt wurde vom Markt gut angenommen. Das motivierte sogar weitere neue Investoren, in den Prozess einzusteigen. Auch alternative Teamkonstellationen lagen vor. Die Voraussetzung dafür war jedoch immer, das Gründerteam verlässt das Unternehmen und die Investoren finanzieren nach. Zu dieser Lösungsvariante war im Grunde am Ende die Mehrheit bereit, nur die Vorstellung zur finalen Ausgestaltung war unterschiedlich. Eine Lösung ließ sich einfach nicht erarbeiten. Wir entschieden dann – nachdem wir Unmengen an Zeit in dieses Projekt gesteckt hatten - keine Lösungsvorschläge mehr zu unterbreiten.
 
Wir sehen heute unser Investment als verloren an.
 
Neben diesem unerfreulichen Ausgang nehmen wir trotz alledem sehr viele Erkenntnisse mit, die wir zukünftig in unsere Entscheidungen einbinden werden und mit denen wir auch neuen Beteiligungen helfen können.
 
  • Wir raten Gründern, grundsätzlich nicht mit zu großen Teams zu starten. In der Regel sollten max. 3 Gründer mit unterschiedlichen Kompetenzen und möglichst an einem Ort arbeiten.
  • Da in der Zusammenarbeit zwischen Gründern und Investoren auch schwierige Zeiten durchgestanden werden müssen, ist es ratsam, sich vor vertraglicher Bindung in Arbeitssituationen gut kennen zu lernen. Aus unserer Perspektive würden wir zukünftig die Kompetenzen der Gründer intensiver prüfen, um die Gründer besser einschätzen zu können.
  • Ein weiterer wichtiger Baustein ist, dass Gründer auch selbst bereits einen finanziellen Baustein geleistet haben. Das erhöht kostenbewusstes Handeln, bindet den Gründer an sein Unternehmen und erzeugt Durchhaltevermögen. Einem Investor wird damit mehr Sicherheit geschaffen und es erleichtert seine Entscheidung für das Investment.
  • Schaffenskräftige Gründer sollten ausreichend incentiviert werden, Gründer auf Abwegen sollten dagegen ausscheiden dürfen. Hierzu schaffen Vestingklauseln eine faire Lösung für beide Seiten.
  • Wir nehmen für uns weiter mit, zukünftig Erwartungen an Gründerteams klarer zu definieren, teilweise auch vertraglich zu regeln und raten das andersherum auch Gründern.
  • Eine räumliche Anbindung hätte uns in unserem o.g. Fall geholfen, dichter am Gründerteam und deren Belange zu sein. Große Entfernungen schaffen manchmal auch große Diskrepanzen.
  • Ein letztes für uns sehr wichtiges Fazit ist die investierte Zeit. Wir haben uns zu lange und viel zu intensiv um die Rettung bemüht und hätten diese Zeit besser in andere Themen investieren sollen.

Foto: shutterstock.com, 232221142
Autor: Victoria